Von Vietnam nach Deutschland – mit Vollgas ins Berufsleben

Yvonne Bolach, Geschäftsführerin DEKRA Expert Migration GmbH und Mikhail Prozorov, Projekt Manager Integration und Anerkennung bei der DEKRA Expert Migration GmbH, empfangen die neuen Azubis aus Vietnam am Flughafen.
Als Minh Nguyen nach Deutschland kommt, ist vieles neu: das Land, die Menschen, der Arbeitsalltag – und vor allem die Sprache. Deutsch gelernt hat er zwar schon in Vietnam. Doch er merkt schnell, dass Gespräche mit Muttersprachlern noch einmal eine ganz andere Herausforderung sind. Seine Kollegen sprechen oft schneller, als er es aus dem Sprachunterricht gewohnt ist. Trotzdem findet sich der 23-Jährige immer besser zurecht. „Noch verstehe ich nicht alles, aber es wird täglich besser.“
Auch für Nhat Nguyen beginnt mit der Ankunft in Deutschland ein neuer Lebensabschnitt: die Umgebung, der Alltag, die Menschen und vieles, was zuvor nur aus Erzählungen oder Bildern bekannt war. Besonders die frische Luft und die schöne Landschaft sind ihm bei seiner Ankunft aufgefallen. Viel Zeit zum Eingewöhnen hatten weder er noch Minh bislang. Erst seit wenigen Monaten leben die beiden in Deutschland.
Neue Chancen in Deutschland
Minh und Nhat haben einen weiten Weg zurückgelegt. Im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Die beiden jungen Vietnamesen gehören zu sechs Nachwuchskräften, die über DEKRA Arbeit für einen weltweit tätigen Logistikkonzern gewonnen wurden. Drei von ihnen absolvieren ihre Ausbildung in Leipzig, drei im Raum Erfurt. Ihr gemeinsames Ziel: Berufskraftfahrer werden.
Minh kommt aus Hanoi, Nhat aus Zentralvietnam. Der Wunsch, beruflich etwas Neues zu wagen, führte sie schließlich nach Deutschland. „In Vietnam gibt es nicht so viele Arbeitschancen“, erzählt Minh. Er wollte neue Erfahrungen sammeln, beruflich etwas erreichen und hatte schon länger den Wunsch, nach Europa zu kommen. Heute sieht er in Deutschland vor allem Möglichkeiten: „Ich habe eine gute Arbeit, meine Kollegen sind sehr nett und ich habe so viele Chancen hier.“
Die Serie „Wir sind Chancengeber“ zeigt ganz persönliche Geschichten von Menschen in der modernen Arbeitswelt. Durch ihre berufliche Tätigkeit in der Zeitarbeit erleben sie soziale Teilhabe, Integration, Wertschätzung und berufliche Perspektive.
Der Weg nach Deutschland war für alle sechs jungen Vietnamesen mit viel Einsatz verbunden. Sie lernten in Vietnam über Monate Deutsch, bereiteten sich auf Auswahlgespräche und Ausbildung vor, warteten auf Visa und ließen schließlich Familie, Freunde und ihren vertrauten Alltag zurück. Mit Unterstützung von DEKRA Arbeit und dem Kooperationspartner in Vietnam wurde aus diesem Vorhaben Schritt für Schritt Realität.
Dass dieser Schritt Mut verlangt, weiß auch DEKRA Arbeit. Bei der Auswahl geht es deshalb nicht allein um Zeugnisse und Sprachzertifikate. Entscheidend ist die Frage, ob die Bewerber bereit sind, sich langfristig auf ein neues Leben in Deutschland einzulassen. „Die Herausforderung ist, die richtigen Menschen zu finden, die diese Reise mit uns gehen“, sagt Yvonne Bolach, Geschäftsführerin der DEKRA Expert Migration GmbH. „Es geht ja nicht nur darum, eine Sprache zu lernen. Es bedeutet, ein komplett neues Leben anzufangen.“
6 Azubis, viereinhalb Monate und ein ambitioniertes Projekt
6 Azubis, viereinhalb Monate und ein ambitioniertes Projekt
Die Rekrutierung der sechs Vietnamesen ist Teil des Bereichs Expert Migration der DEKRA Arbeit Gruppe. Das Konzept umfasst drei zentrale Bausteine: Rekrutierung, Qualifizierung und Vermittlung von Fachkräften aus Drittstaaten. Gemeinsam mit Partnern in den Herkunftsländern bereitet DEKRA Arbeit Kandidatinnen und Kandidaten auf eine Beschäftigung oder Ausbildung in Deutschland vor.
Im Fall der sechs angehenden Berufskraftfahrer war die Zeit besonders knapp. Die Anforderungen an die Deutschkenntnisse wurden während des laufenden Projekts vom zukünftigen Arbeitgeber noch einmal erhöht. Rund viereinhalb Monate blieben Zeit, um geeignete Bewerber in Vietnam zu finden, sie zu interviewen und den jeweiligen Niederlassungen zuzuordnen, Visa-Verfahren abzuschließen und die Anreise zu organisieren.
Dass alle sechs Kandidaten die Voraussetzungen erfüllten und rechtzeitig nach Deutschland kommen konnten, zeigt, wie viel Organisation hinter internationaler Personalgewinnung steckt. Denn eine Unterschrift unter einem Ausbildungsvertrag allein reicht nicht.
3 Jahre zum Berufskraftfahrer
3 Jahre zum Berufskraftfahrer
Gerade bei jungen Menschen, die für eine Ausbildung ihr Heimatland verlassen, ist Verlässlichkeit entscheidend. Deshalb hielt DEKRA Arbeit bereits während der Vorbereitung regelmäßig Kontakt zu den künftigen Azubis. In wöchentlichen Gesprächen, an denen auch der künftige Arbeitgeber teilnahm, konnten Fragen geklärt und Unsicherheiten aufgefangen werden.
„Wichtig ist neben dem Spracherwerb vor allem, Sicherheit zu geben“, erklärt Jochen Hermann, Spezialist für Cross-Market Recruitment, „die jungen Menschen müssen wissen: Wo komme ich hin? Wer sind dort meine Ansprechpartner? Wo werde ich wohnen?“ Die Wohnsituation beschäftigte die Azubis besonders: Auch sie wurde deshalbvor der Anreise geklärt. In Leipzig und im Raum Erfurt leben die jungen Männer jeweils zu dritt in Wohnungen, mit eigenem Zimmer sowie gemeinsamer Küche und gemeinsamem Bad.
Und die Begleitung hört mit der Ankunft am Flughafen nicht auf. Bankkonto, Anmeldung beim Einwohnermeldeamt, Steuer-ID oder Handyvertrag – für jemanden, der neu in Deutschland ist und die Sprache noch lernt, können vermeintliche Kleinigkeiten schnell zu großen Hürden werden. Internationale Rekrutierung ist nicht mit der Vermittlung abgeschlossen. Sie funktioniert nur dann nachhaltig, wenn aus Ankommen auch Bleiben werden kann.
Die Ausbildung zum Berufskraftfahrer dauert drei Jahre. Für Minh und Nhat gehört dazu zunächst noch eine weitere Herausforderung: der deutsche Führerschein. Zwar haben sie in Vietnam bereits Fahrerfahrung, doch ihre dortige Fahrerlaubnis können sie nicht übernehmen. Deshalb starten sie mit der deutschen Fahrerlaubnis der Klasse B, anschließend folgt im Rahmen der Ausbildung der Lkw-Führerschein.
Parallel wechseln sich Berufsschule und praktische Ausbildung ab. Und auch das Deutschlernen bleibt Teil des Alltags.
Fachkräftesicherung braucht neue Wege
Fachkräftesicherung braucht neue Wege
Für das Logistikunternehmen ist das Projekt zugleich eine Investition in die Zukunft. Berufskraftfahrer werden dringend gesucht. Wer internationale Auszubildende gewinnt, muss jedoch langfristig denken: Drei Jahre dauert allein die Ausbildung, bevor die Nachwuchskräfte vollständig als ausgebildete Berufskraftfahrer eingesetzt werden können.
Genau darin liegt eine besondere Stärke professioneller Personaldienstleister. Sie können Unternehmen nicht nur dabei unterstützen, Kandidaten im Ausland zu finden. Sie kennen die Anforderungen der Unternehmen, verfügen über internationale Netzwerke und begleiten den gesamten Prozess der internationalen Personalgewinnung – von der Rekrutierung und Qualifizierung bis zum erfolgreichen Start in Deutschland.
DEKRA Arbeit hat dafür sein internationales Recruiting um den Bereich Expert Migration ergänzt. Neben europäischen Arbeitsmärkten werden damit gezielt auch Drittstaaten einbezogen. Vietnam bietet dafür interessante Voraussetzungen: eine junge Bevölkerung, viele motivierte Bewerber und Menschen, die bereit sind, sich auf eine berufliche Zukunft in Deutschland einzulassen.
Für Minh und Nhat ist die Frage nach langfristiger Fachkräftesicherung im Alltag viel konkreter. Es geht um die nächste Woche in der Berufsschule, um neue deutsche Wörter, Verkehrsregeln, Kollegen, Freunde – und irgendwann darum, selbst am Steuer eines Lkw zu sitzen. Und es geht um die Frage, ob aus Deutschland dauerhaft ein Zuhause werden kann. Für beide ist die Antwort klar. „Ich bleibe hier. Ich möchte in Deutschland arbeiten“, sagen beide unisono.
Aus einem internationalen Recruitingprojekt wird damit etwas sehr Persönliches: die Chance für sechs junge Menschen, sich in Deutschland eine berufliche Zukunft aufzubauen – und für ein Unternehmen, engagierte Nachwuchskräfte zu gewinnen, die genau diese Zukunft mitgestalten wollen.