Hilfe für geflüchtete Menschen: Unternehmerbündnis Zeitarbeit

Emad Kendakji

Schüchtern betritt Adil S. die Büroräume. Der 25-Jährige ist zum Vorstellungsgespräch eingeladen: Ein Lebensmittelkonzern sucht einen Lagerarbeiter. Adil S. lebt seit fünf Jahren in Deutschland, zwar spricht und versteht er die deutsche Sprache sehr gut, doch die arbeitsrechtlichen Themen machen ihn nervös. Er will nichts falsch machen und damit womöglich seinen Aufenthaltsstatus gefährden. Als er das Büro betritt, begrüßt ihn sein Gegenüber zu seiner großen Überraschung auf Arabisch. Sein Ansprechpartner ist Emad Kendakji. Als interner Mitarbeiter eines Personaldienstleisters kümmert er sich vornehmlich um das Recruiting und das Onboarding von geflüchteten Landsleuten.

Hilfe im Bürokratie-Dschungel

Emad Kendakji weiß, wie er seinen Landsleuten helfen kann: Er ist selbst aus Syrien nach Deutschland geflohen, das war 2015. „Ich kenne die Probleme, Hindernisse und Ängste, die geflüchtete Menschen meistern müssen.“ Sprachliche Schwierigkeiten, komplexe Abstimmungen mit Behörden plus die kulturellen Unterschiede machen den Start in den Alltag und ins Arbeitsleben für viele Geflüchtete zu einer großen Herausforderung. Mit viel Geduld und hoher Sachkenntnis erklärt er ihnen das deutsche Regelwerk, begleitet sie zu Behörden und stimmt sich mit den Kundenunternehmen ab, damit der Start in den neuen Beruf nicht zu viele Stolpersteine enthält.

In seinem ersten Jahr als interner Mitarbeiter hat er in Saarlouis 80 syrische Menschen erfolgreich bei der Suche nach Arbeit unterstützt. Eine großartige Erfolgsbilanz – selbst der Fernsehsender RTL berichtete in einer Sendung darüber! Im gleichen Jahr wurde er als Experte bei einer Verbandstagung des iGZ eingeladen und sprach zum Thema „Flüchtlinge und Integration durch Arbeit“.

WirsindChancengeberDie Serie „Wir sind Chancengeber“ zeigt ganz persönliche Geschichten von Menschen in der modernen Arbeitswelt. Durch ihre berufliche Tätigkeit bei Personaldienstleistungsunternehmen erleben sie soziale Teilhabe, Integration, Wertschätzung und berufliche Perspektive.

Flucht beendet Karriere als Jurist

Was ist die Motivation des heute 36-Jährigen? Für seine Flucht nach Deutschland hat Emad Kendakji viel aufgegeben. Er ließ nicht nur seine Ehefrau und seine Familie zurück, auch seinen Beruf als Rechtsanwalt konnte er nicht weiter ausüben. „Mir war klar, wenn ich Syrien verlasse, kann ich nicht mehr als Jurist arbeiten. Es war keine leichte Entscheidung.“

Nach mehreren Monaten und abenteuerlichen Wegen endete die Flucht in einem Lager im Saarland. Nach sechs Wochen wurde positiv über seinen Asylantrag beschieden und er erhielt eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis.

Hilfe im Bürokratie-Dschungel: Unternehmerbündnis Zeitarbeit

Hilfe im Bürokratie-Dschungel: Unternehmerbündnis Zeitarbeit

Mit Hilfe einer Internetrecherche wurde er auf TIMEPARTNER aufmerksam. Er bewarb sich initiativ um eine Stelle als Zeitarbeitnehmer. „Mein Vater ist Schreiner, ich habe ihm oft dabei geholfen“, erinnert er sich, „diese Fähigkeiten habe ich in dem Bewerbungsgespräch adressiert.“ Doch die Recruiter entdeckten eine andere Kompetenz und boten ihm eine Stelle als interner Mitarbeiter in der Niederlassung Saarlouis an, um als Bindeglied vor allem arabisch sprechende Mitarbeiter zu adressieren und ihnen den Zugang in die Arbeitswelt zu erleichtern.

Heute, 2022, lebt Emad Kendakji in Saarlouis und ist weiterhin bei TIMEPARTNER beschäftigt. Im Moment schließt er seine Ausbildung zum Personaldienstleistungskaufmann (PDL) ab, die drei Jahre dauert. „Es war mein großer Wunsch, auch in Deutschland eine Berufsausbildung zu absolvieren.“ Auf den Abschluss als PDL-Kaufmann sollen zwei Semester Zivilrecht an der Universität Saarbrücken folgen.

Zeitarbeit integriert geflüchtete Menschen

„Ohne meine Förderer bei TIMEPARTNER hätte ich das vermutlich nicht geschafft, ich bin sehr dankbar“, erklärt Emad Kendakji. „Sie haben mir bei allem geholfen und mich als Paten gefördert – und das möchte ich für geflüchtete Menschen sein.“ Mit ihrer Unterstützung konnte er auch seine Frau im Rahmen der Nachzugsregelung nach Deutschland holen. Gerade ist der positive Einbürgerungsbescheid gekommen: Nach sieben Jahre vorbildlicher Integration wird er nun deutscher Staatsbürger. Aktuell ändert die Bundesregierung das Gesetz: Die Einbürgerung soll künftig schon nach fünf statt bisher nach sieben oder acht Jahren – je nach Integration – möglich sein.

Und Adil S.? Dank der Unterstützung von Emad Kendakji hat er den Job als Lagerarbeiter erhalten, für den er in der Arbeitnehmerüberlassung tätig ist.

Über TIMEPARTNER

Mit 15.000 Mitarbeitern und 185 Niederlassungen gehört TIMEPARTNER zu den fünf größten Personaldienstleistern Deutschlands. Das Portfolio reicht von klassischer Personalvermittlung bis hin zu individuell zugeschnittenen Lösungen. TIMEPARTNER fusionierte 2021 mit ZAQUENSIS und gehört zur House of HR Germany GmbH.