7 Chancen in der New Work

7 Chancen in der New WorkPolitik und Wirtschaft suchen händeringend Strategien, um dem Mangel an Arbeits- und Fachkräften sinnvoll zu begegnen. Das zeigt auch der aktuelle Fachkräftegipfel der Bundesregierung. Doch viele Chancen bleiben ungenutzt oder werden ausgeblendet. Wir vom Unternehmerbündnis Zeitarbeit kennen bereits die wichtigen Nischen mit viel Potenzial für erfolgreiche Rekrutierung. Wenn es allein gelänge, diese 7 Chancen in der New Work in Deutschland zu fördern, wäre viel erreicht. Persönliche Geschichten zeigen, wie es geht.

#1: EU-Worker für den Arbeitsmarkt 

2021 arbeiteten laut Statistischem Bundesamt 2,5 Millionen EU-Worker in Deutschland. Die größte Gruppe von ihnen, knapp ein Drittel, stammt aus Polen, gefolgt von Rumänien (16 Prozent) und Italien (13 Prozent). Doch das Arbeiten in einem fremden Land ist nicht einfach.

Wie die Integration in den heimischen Arbeitsmarkt gelingen kann, zeigt das Portrait einer jungen Polin: Als Studentin selbst EU-Workerin, begleitet sie nun bei einem Personaldienstleister polnische Mitarbeitende bei der Integration in den deutschen Arbeitsmarkt. Warum ist das so wichtig? Damit Sprachprobleme, die Suche nach einer geeigneten Wohnung, Behördenauflagen und kulturelle Unterschiede nicht zu unüberwindbaren Hindernissen werden.

#2: Quereinstieg: Ausweg aus der Arbeitslosigkeit

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie haben zahlreiche Länder an die Armutsgrenze geführt. Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gingen im vergangenen Jahr pandemiebedingt weltweit 100 Mio. Arbeitsplätze verloren, im Jahr 2020 waren es sogar 255 Mio. Vollzeitarbeitsplätze. Es sind vor allem Jugendliche und Frauen, die davon betroffen sind.

Auch für einen Deutsch-Argentinier und seine fünfköpfige Familie wurden die Pandemiejahre zur persönlichen Grenzerfahrung. Deshalb kehrte er Argentinien den Rücken und wagte in Deutschland einen beruflichen Quereinstieg und privaten Neustart – für sich und seine Familie. Diese Erfolgsgeschichte könnte ein Vorbild sein für die geplante Chancenkarte im neuen Einwanderungsgesetz – und ein triftiger Grund, die Personaldienstleister bei der Auslandsrekrutierung mitwirken zu lassen.

#3: Bunter Lebenslauf: Wenn Förderalismus zur Sackgasse wird

Einen gelungenen Quereinstieg zeigt auch das Portrait einer Justizangestellten, die durch den Umzug von Nordrhein-Westfalen nach Bayern in eine berufliche Sackgasse geriet. Der Förderalismus der Bundesländer hat es ihr unmöglich gemacht, in ihrem erlernten Beruf zu arbeiten. Die Zeitarbeit hat ihr eine zweite Chance gegeben, die sie erfolgreich genutzt hat.

#3: Soziale Teilhabe dank beruflicher Identität

Die berufliche Integration von Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen oder schwierigen Lebenslagen ist wichtig für die dauerhafte Stabilität der Betroffenen. Arbeiten bedeutet soziale Teilhabe, sie schafft Struktur und Ausgleich. Auch der Mitarbeiter eines Security Unternehmens hat dies erlebt: Aufgrund gesundheitlicher Probleme war er viele Jahre langzeitarbeitslos, lebte sehr zurückgezogen und hatte kaum soziale Kontakte. Durch eine Anstellung in der Zeitarbeit gelang ihm schließlich ein Neuanfang: Seine Tätigkeit bei einem Sicherheitsdienst strukturiert nicht nur seinen Alltag und gibt ihm eine Aufgabe, sondern verschafft ihm auch soziale Teilhabe, wie beispielsweise regelmäßige Trainingsbesuche im Fußballverein.

#4: Chancen für geflüchtete Menschen  

Laut den Angaben vom BAMF leben 1,3 Millionen Flüchtlinge in Deutschland (Stand: Ende 2021). Knapp 500.000 von ihnen gehen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Überdurchschnittlich häufig finden sie eine erste Beschäftigung über die Zeitarbeit.

Wie die Integration in den Arbeitsmarkt gelingen kann, zeigt u.a. das Portrait eines jungen Afghanen, der als minderjähriger Flüchtling nach Deutschland kam, die Sprache lernte, eine Ausbildung erfolgreich beendete und so den Berufseinstieg bei einem Medizingerätehersteller schaffte.

#5: Ausbildung als Lösung gegen den Arbeits- und Fachkräftemangel

Eine Investition in die unternehmerische Zukunft ist die Ausbildung junger Menschen. Auch auf dem jüngsten Fachkräftegipfel der Bundesregierung riet Bundesminister Hubertus Heil den Unternehmen, künftig verstärkt auf Auszubildende zu setzen, um dem zunehmenden Arbeits- und Fachkräftemangel zu begegnen. Auch die junge Frau in unserem Portrait hat diesen Weg als Chance erkannt: Als externe Zeitarbeitnehmerin in einem Produktionsbetrieb wurde sie als Nachwuchstalent für die Personaldienstleistung entdeckt und befindet sich aktuell mitten in der Ausbildung als Personaldienstleistungskauffrau.

#6: Arbeiten im Alter

Die Zahl der Menschen, die jenseits der 65 noch arbeiten, steigt: Nach Daten des Statistischen Bundesamts gingen 2019 acht Prozent der Menschen ab 65 noch einer bezahlten Arbeit nach, innerhalb von zehn Jahren hat sich damit der Prozentsatz verdoppelt. Die Geschichte des Facility Managers, der mit 68 Jahren noch immer nicht ans Aufhören denkt, zeigt deutlich: Es ist nicht der Verdienst allein, weshalb Menschen auch im fortgeschrittenen Alter arbeiten, sondern es ist auch der Wunsch nach Struktur, Zugehörigkeit und Kontakt.

#7: Rekrutierung von Nicht-EU-Angehörigen durch Personaldienstleister

Die Zeitarbeit ist Teil der modernen Arbeitswelt und übernimmt für Unternehmen Rekrutierungsaufgaben, die diese nicht selbst lösen können. Dazu gehört gerade im Mittelstand die Auslandsrekrutierung.

Am Beispiel der EU-Worker zeigen Personaldienstleister seit Jahren, wie wichtig sie als Rekrutierungspartner für den deutschen Mittelstand sind. EU-Worker sind ein wichtiger Teil der Lösung im aktuellen Arbeits- und Fachkräftemangel, der die deutsche Wirtschaft in eine schwierige Situation manövriert hat. Allerdings: Außerhalb der EU dürfen Personaldienstleister nicht für die Beschäftigungsform der Arbeitnehmerüberlassung rekrutieren. Dies schließt das Fachkräftezuwanderungsgesetz bisher aus. Hier geht schon heute viel Potenzial verloren.

Dabei arbeiten ausländische Beschäftigte schon heute deutlich häufiger in der Zeitarbeit (6 Prozent) als deutsche Zeitarbeitnehmende (2 Prozent). Damit hat jeder dritte Beschäftigte in der Zeitarbeit einen ausländischen Pass, meldet die Bundesagentur für Arbeit 2020.

Mit großer Spannung wird daher die Überarbeitung des Gesetzes von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil erwartet. Sie ist für den späten Herbst dieses Jahres angekündigt. Schon im Sommer haben sich mehrere Arbeitgeberverbände sowie Wirtschaftsvertreter und Politiker klar dazu geäußert: Um den hohen Bedarf an Fach- und Arbeitskräften abzudecken, sei dringend die Hilfe der Zeitarbeit für die Rekrutierung von Menschen aus Nicht-EU-Ländern notwendig.